Diese Seite drucken
Freigegeben in Finanzen

FinTec und Industriebeteiligungen

Michael Thomale und Christian Michel Scheibener setzen mit AUSTRO Nexus auf innovative Sicherheits- und Militärtechnik

Mittwoch, 29 Januar 2020 23:12 geschrieben von  Dirk Schneider

Salzburg – Christian Michel Scheibener und Michael Thomale haben dieser Tage viel um die Ohren. Die beiden haben mit der Übernahme des renommierten österreichischen Industriekomplexes AUSTRO Nexus offenbar recht erfolgreich Abstand zur eigenen Vergangenheit im windigen MLM geschafft.

Affiliate war ein Einstieg

Unter Affiliate-Systemen versteht man internetgestützte Vertriebsformen, bei denen meist ein kommerzieller Anbieter seine Vertriebspartner durch Provisionen vergütet und eine Art geschäftliche Partnerschaft entsteht. Das Affiliate-Marketing kommt bei der Bereitstellung technischer Schnittstellen zwischen Verkäufern und Vertriebspartnern ins Spiel. Affiliate-Marketing-Systeme stellen unabhängige Internetplattformen zur Verfügung, auf denen strukturiert alle wichtigen Informationen gesammelt werden, damit Verkäufer und Vertriebspartner effizient zusammenarbeiten können, ohne in persönlichen Kontakt treten zu müssen.

Mit dem Vertrieb von Affiliate-Systemen, FinTech-Produkten und digitalen Medien verdient auch die in Salzburg ansässige Austro Nexus Holding GmbH gutes Geld. Auch Michael Thomale und Christian Michel Scheibener zählen zu den Gesellschaftern. Beide kennt man als ideenreiche Führungsköpfe der Londoner Nexus Global Ltd. & Nexus Global Mining Ltd. In dem inzwischen als Nexus Global Factoring Ltd. firmierenden Unternehmen ist Scheibener als CEO und Thomale als CMO tätig. Mithilfe des Multi-Level-Marketing, das alternativ auch Network-Marketing genannt wird, vermitteln sie Investoren alles Wissenswerte über Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie. Nexus Global bietet ein breites Spektrum von Online-Education und Online-Gambling über Forex-Trading, Crypto-Trading und Bitcoin-Mining bis hin zu Initial Public Offering (IPO) und Initial Coin Offering (ICO). Die eigene Branchen-Partnerplattform bezeichnet man selbstbewusst als die „erste Multi-Affiliate-Plattform mit herausragenden Verdienstmöglichkeiten“. Nexus Global biete „verschiedene Produkte in Kombination mit einem unglaublichen Vergütungsplan unter Einbeziehung der traditionellen europäischen Industrie“.

Damit ist fraglos der Bogen zur Austro Nexus Holding geschlagen, die sich zunehmend auch als Industrieholding versteht. Inspiriert von Thomale und Scheibener versucht sie, Blockchain-basierte Geschäftsmodelle und Finanzierungsformen wie das Initial Coin Offering (ICO) auf neue Märkte zu übertragen und dafür Industriepartner zu begeistern. Ganz konkret geht es um die Kapitalbeschaffung für Hightech-Projekte aus der Sicherheits- und Rüstungssparte.

So hat das ambitionierte Salzburger Unternehmen das ICO für das Flugzeug-Projekt „Red Eagle“ übernommen. Das Initial Coin Offering als hochmoderne Form der Unternehmensfinanzierung ist mit der Ausgabe von Wertpapieren an der Börse vergleichbar. Investoren haben die Möglichkeit, sogenannte Token für ganz spezielle Projekte im Blockchain-Ökosystem zu erwerben. Im Rahmen des Crowdfunding erwerben Unterstützer die Token und spekulieren darauf, dass diese wie Aktien an der Börse steigen und so Kursgewinne erzielt werden. Meist werden ICOs zur Finanzierung von Start-ups oder ganz bestimmten Produktentwicklungen genutzt. Die jungen Unternehmen „erzeugen“ die Token und verkaufen sie anschließend, um an Investitionskapital zu kommen.

Wie die Vorfinanzierung eines Industrieprojektes über Krypto-Investitionen funktioniert, lässt sich an der Kooperation der Austro Nexus Holding mit der R.S.RED EAGLE AG studieren. Das in Trebbin ansässige Unternehmen entwickelt Luftüberwachungssysteme für die innere und äußere Sicherheit, die gewerbliche Nutzung und Umwelt- und Forschungsaufgaben. Unter Leitung des Ingenieurs und CEO Dr. Reiner Stemme soll unter dem Namen „Red Eagle“ ein neues Flugzeug für Patrouillenflüge auf den Markt gebracht werden, das Reichweitenstärke mit Geräuscharmut und geringem Kraftstoffverbrauch verbindet. Der Flugzeugtyp RS 120 Guard wird so konstruiert, dass er allen Anforderungen für Überwachungsflüge von Polizei und Grenzschutz gerecht wird. Im Auftrag von Austro Nexus führte ICO-Experte Michael Thomale zahlreiche Gespräche mit Reiner Stemme und überzeugte sich bei mehreren Werksbesichtigungen von der Erfolgsträchtigkeit des Projektes.

Austro-Nexus-Chef Arthur von Deppe baut das Geschäftsfeld der Industriebeteiligungen konsequent aus. Im letzten Jahr berichteten einige Medien von einem Joint Venture mit der OWR GmbH in Elztal-Rittersbach. Das Nachfolgeunternehmen der Odenwaldwerke Rittersbach ist ein renommierter Hersteller von Geräten für den ABC-Schutz. Die entwickelten Produkte und Systeme dienen also der Abwehr nuklearer, biologischer und chemischer Gefahrenstoffe. Das OWR-Angebot umfasst Detektionsgeräte, komplexe Schutz- und Dekontaminationssysteme sowie kundenspezifische ABC-Beratung. Die 1947 gegründeten Odenwaldwerke feierten große Erfolge mit der Produktion von Spezialfahrzeugen für das Technische Hilfswerk und den Bundesgrenzschutz sowie ABC-bezogener Sonderausrüstung für die Bundeswehr. Trotzdem wurde das Unternehmen im Jahr 2003 zahlungsunfähig und von der OWR AG übernommen, in der sich verschiedene Investoren zusammengeschlossen hatten. Die heutige OWR GmbH beliefert weltweit Militär- und Zivilschutzorganisationen mit modernster ABC-Schutztechnologie.

Ende letzten Jahres wurde bekannt, dass die Salzburger Industrieholding auch bei der OWR IANUS GmbH im sächsischen Brand-Erbisdorf mit einem Geschäftsanteil von 30 Prozent angedockt hat. Deren Geschäftszweck ist laut der Handelsregisterbekanntmachung vom 17. Oktober 2019 die „Entwicklung und Herstellung industrieller Güter, insbesondere Membranen zur Wasseraufbereitung, Kunstharzbeschichtungen, Textilbeschichtungen aus Aramiden und dazu gehörende Dienstleistungen sowie Industriebeteiligungen“.

Die Austro Nexus investiert folglich unter anderem in die Entwicklung mobiler Einsatzgeräte zur Wasserreinigung. Nach OWR-Plänen sollen mittels Umkehrosmose unter extrem hohem Druck sogar verseuchte Stehgewässer wieder trinkbar gemacht werden können. Dieses Reinigungssystem trägt den Namen „Acheron“. Michael Thomale sagte dazu: „Wir glauben fest daran, dass man uns und unsere Produkte braucht.“

Alle diese Teilinformationen ergeben das Gesamtbild einer gezielt auf Sicherheits- und Militärtechnik setzenden Austro Nexus Holding. Thomale ließ jüngst durchsickern, dass er ein Sicherheitssystem entwickeln lassen will, das auch beim Angriff kleinerer Drohnen greift. „Wir haben die kleinteiligeren Waffensysteme auf dem Schirm“, sagt der Sachse, der inzwischen in Salzburg lebt. „So lassen sich die großen Gewinne der Zukunft im Industriegeschäft erwirtschaften.“

Artikel bewerten
(4 Stimmen)
Schlagwörter:

Ähnliche Artikel